Öffnet in einem neuen Tab

Meinolf Padberg und Andrew Panton präsentieren Film über Angriff, Leid und Versöhnung

Filmpremiere in Günne und Niederense

Auf der Sperrmauer in Günne präsentierten Meinolf Padberg und Schüler der Möhneseeschule zum 80. Jahrestag des Angriffs auf die Sperrmauer ein Kunstwerk zum Thema Frieden. · Foto: Sammlung Padberg

Filmpremiere am Samstag, 16. Mai 2026, in der Schützenhalle Günne: Stefan Wilmes präsentiert einen Film von Andrew Panton und Meinolf Padberg zum Angriff auf die Sperrmauer, der als Möhnekatastrophe im kollektiven Gedächtnis bleibt. Es geht um belegbare Fakten, um eine Einordnung, auch um einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft. Beginn ist um 19 Uhr in der Schützenhalle in Günne, Einlass ist ab 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 wurde auch die Möhnetalsperre zum Ziel eines britischen Angriffs. Die Operation trug den Codenamen „Chastise“ – „Züchtigung“. Ausgeführt wurde sie von der neu gebildeten No. 617 Squadron der Royal Air Force, die später als „Dam Busters“ bekannt wurde. 19 Lancaster-Bomber starteten zu dem Einsatz. Acht Maschinen gingen verloren; 53 Besatzungsmitglieder starben, drei gerieten in Gefangenschaft.

Militärisch zielte der Angriff auf Talsperren, Wasserversorgung, Energiegewinnung und Industrie im Herzen des nationalsozialistischen Deutschlands. Er gehörte zugleich in den größeren Zusammenhang des alliierten Luftkriegs gegen das Ruhrgebiet: Die Zerstörung militärischer, industrieller und wirtschaftlicher Strukturen sollte auch den Durchhaltewillen der Bevölkerung schwächen.

An der Möhnetalsperre brachten zunächst mehrere Anflüge nicht den entscheidenden Durchbruch. Dann flog die Lancaster J-Johnny den Angriff, der den Damm endgültig brechen ließ. Pilot war Flight Lieutenant David Maltby; als Bombenschütze seiner Maschine gilt John Fort. Die Folgen waren verheerend. Gewaltige Wassermassen schossen durch das Möhnetal und weiter in Richtung Ruhr. Orte wurden überflutet, Häuser zerstört, Menschen aus dem Schlaf gerissen. Das RAF Museum nennt für den Möhne-Bereich später gemeldete Zahlen von 476 deutschen Toten sowie 593 getöteten ukrainischen und niederländischen Arbeitern sowie französischen und belgischen Kriegsgefangenen; hinzu kamen Vermisste.

Für die britische Seite war der Angriff ein militärisches Unternehmen gegen die Kriegswirtschaft Nazi-Deutschlands. Für die Menschen an Möhne, Ruhr und in den betroffenen Orten war er eine Nacht des Grauens. Genau diese doppelte Perspektive steht im Mittelpunkt eines neuen Films, der jetzt in Günne und Niederense seine Doppel-Premiere erlebt.


► Hinter dem Filmprojekt stehen Andrew Panton aus England und Meinolf Padberg aus Arnsberg-Neheim. Panton arbeitet als britischer Filmemacher an Dokumentationen und Rekonstruktionen zur Geschichte der „Dam Busters“; Padberg ist deutscher Koproduzent, war lange Lehrer an der Möhneseeschule in Körbecke. Er ist heute der Ansprechpartner für Vorführungen des Films in Deutschland. Den beiden Machern war es nach eigener Erklärung wichtig, Geschichte nicht einseitig zu erzählen: „Viele Filme über die ,Dam Busters’ richten den Blick vor allem auf die britischen Flieger, auf Technik, Mut und militärische Kühnheit. Dieser Film nimmt ausdrücklich auch die deutsche leidvolle Perspektive mit den vielen zivilen Opfern in den Blick.“


Besondere Wendung im Film
Gegen Ende bekommt der Film nach Padbergs Darstellung eine besondere Wendung. Dann stehen Kinder und Jugendliche aus der Region im Mittelpunkt: Der Film belegt, wie Schülerinnen und Schüler der Möhnesee-Sekundarschule, der Grundschule „Rote Schule Neheim“ und der Agnes-Wenke-Sekundarschule Neheim auf ihre Weise der Opfer der Möhnekatastrophe gedenken – auch der britischen Opfer. Sie tun das mit Aktionen auf dem Möhnedamm, mit Kunstwerken, Friedensmärschen, mit dem Besuch und der Pflege von Gedenkstätten.

„Rote Schule Neheim“ startet Schulpartnerschaft
Eine besondere Rolle spielt eine Schulpartnerschaft, die vor drei Jahren von der Grundschule Rote Schule Neheim mit Projektleiter Meinolf Padberg angestoßen wurde. Partner ist eine Grundschule im britischen Scampton. Von dem dortigen Militärflugplatz waren 1943 die Bomber zu den deutschen Talsperren gestartet. Bei Besuch und Gegenbesuch wurden unter anderem Gedenksteine der Freundschaft gesetzt.

Freundschaft und dauerhafter Friede?
So wird aus Sicht der Produzenten aus einem Film über Krieg und Zerstörung auch ein Film über Versöhnung. Die Gedenk- und Friedensaktionen der jungen Menschen sollen Hoffnung ausstrahlen: dass kommende Generationen leidvolle Kriegserfahrungen nicht weitertragen als Feindschaft, sondern verwandeln können in Freundschaft und dauerhaften Frieden.


Drei Fragen an Meinolf Padberg:

MöhneReport: Herr Padberg, warum war Ihnen die deutsche Perspektive so wichtig?
Meinolf Padberg: Weil die Möhnekatastrophe hier vor Ort nicht nur ein militärisches Erfolgs-Ereignis war, ein Beweis von Mut und fliegerischem Können. Der erfolgreiche Angriff auf die Sperrmauer in Günne bedeutete großes Leid für die Zivilbevölkerung weit ins Land hinein. Diese Seite, dieses Leid, diese vielen Einzelschicksale dürfen nicht hinter Technik und Fliegerlegenden verschwinden.

MöhneReport: Warum endet der Film mit jungen Menschen?
Meinolf Padberg: Weil Erinnerung weitergehen muss. Wenn Schüler heute Gedenkstätten besuchen, Friedensmärsche organisieren oder Kontakte nach Großbritannien pflegen, dann entsteht aus Geschichte gelebte Verantwortung.

MöhneReport: Was soll beim Publikum in Erinnerung bleiben?
Meinolf Padberg: Dass Krieg Leid auf allen Seiten hinterlässt – und dass Versöhnung möglich ist, wenn Menschen bereit sind, einander zuzuhören. Dass viele Menschen zur Entstehung dieses Dokumentations- und Bildungsfilmes beigetragen haben: Karl-Heinz Wilmes aus Günne und Jochen Peters aus Niederense haben sich Jahrzehnte lang für Gedenken und deutsch-britische Aussöhnung eingesetzt. Lena Lewald vom Gemeindearchiv Möhnesee, Stefan Wilmes, Karl Hennecke als Zeitzeuge aus Niederense, der Heimatverein Niederense mit Bernhard Söbbeler und Franz-Josef Lutter als Heimatexperten.


► Blick auch nach Himmelpforten
Das zerstörte, 700 Jahre alte Kloster Himmelpforten nahe Niederense mit all seinen Nebengebäuden entsteht in einer 3D-Animation neu – so, wie es am Vorabend des Zerstörung
aussah. Idyllisch lag es am Möhnefluss, mit seinen etwa 400 Obst-, Flieder- und Kastanienbäumen, die aufgrund eines plötzlichen Wetter-Wärmeschubs damals zur gleichen Zeit in voller Blüte
standen. Und der simulierte Dronenflug über die Klosteranlage Himmelpforten gehört sicherlich zu den schönsten Ansichten des Films. Padberg: „Der Mythos Porta Coeli’ – der ,Pforte zum Himmel’ – er lebt in diesem Film wieder auf und bringt in dieser Ansicht den Niederensern die unvergleichliche Schönheit ihres geliebten Ortes zurück.„

Nach einer Vereinbarung der beiden Produzenten wird der Film künftig nur auf Anfrage persönlich von Meinolf Padberg gezeigt. Er zeigt ihn kostenfrei, gern auch an Schulen in der Region. Anfragen sind per Mail möglich an: padberg@rote-schule-neheim.de.

Die Premiere in Neheim ist erst für das kommende Jahr vorgesehen. Sie soll am Mittwoch, 12. Mai 2027, in der Stadtbibliothek Neheim stattfinden. Grund ist, dass neue Materialien zu Neheim noch ergänzt werden müssen und der Neheim-Teil des Films derzeit noch unvollständig ist.


Auf einen Blick

Veranstaltung: Doppel-Premiere des Films zur Möhnekatastrophe

Samstag, 16. Mai 2026, 19 Uhr, Einlass ab 18.30 Uhr
Ort: Schützenhalle Möhnesee-Günne, Westricher Weg 15
Veranstalter: Stefan Wilmes

Sonntag, 17. Mai 2026, 18 Uhr, Einlass ab 17.30 Uhr
Ort: Schützenhalle Niederense, Heuerwerth 5
Veranstalter: Heimatverein Niederense e.V.

Eintritt: kostenfrei

Kontakt für weitere Vorführungen: Meinolf Padberg, padberg@rote-schule-neheim.de

Jochen Peters aus Niederense und Filmemacher Andrew Panton an der Absturzstelle in Ostönnen. · Foto: Caroline Stewart
Deutsche und britische Grundschüler aus Neheim und Scampton bei der Verlegung eines Gedenksteins in Lincoln. · Foto: Meinolf Padberg
Informationsbesuch: Andrew Panton ist hier abgelichtet beim Heimatverein Niederense (Zweiter von links). · Foto: Caroline Stewart
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