Sommer-Radtour zu Zukunftsprojekten

Ruhrverband: Investitionsoffensive für Abwasserreinigung

26/07/2026

Die Teilnehmer der Sommerradtour haben sich hier zu einem Gruppenbild zusammengestellt. Rechts im Bild Ruhrverbands-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Christoph Donner. Zweiter von links Möhnesees Verbandsvertreter Klaus Peter Teipel. · Foto: Ruhrverband.

Winterberg/Essen/Möhnesee · Der Ruhrverband will seine Investitionen in die Abwasserreinigung bis zum Jahr 2040 deutlich erhöhen und die Struktur seiner Kläranlagen neu ordnen. Vorgestellt wurden die Pläne während der ersten Etappe der diesjährigen Sommerradtour.

Klaus Peter Teipel für Möhnesee auf dem Sattel
An der ersten Etappe der Sommerradtour nahmen neben dem Vorstandsvorsitzenden Professor Christoph Donner die Bürgermeister Christoph Rosenau aus Bestwig, Michael Beckmann aus Winterberg und Patrick Potthoff aus Olsberg teil. Mit dabei waren außerdem der Landtagsabgeordnete Matthias Kerkhoff und mehrere leitende Mitarbeiter des Ruhrverbandes und für die Gemeinde Möhnesee Klaus Peter Teipel. Er ist für die Gemeinde Möhnesee Vertreter in der Verbandsversammlung des Ruhrverbands.

Besuch in Winterberg-Niedersfeld
In der Pressemitteilung des Ruhrverbands zur Sommerradtour heißt es: „Die Teilnehmer besichtigten unter anderem die Kläranlage Winterberg-Niedersfeld, die langfristig aufgegeben werden soll. Das dort anfallende Abwasser soll künftig zur Kläranlage Bestwig-Velmede geleitet und dort gereinigt werden. Der Zusammenschluss der beiden Standorte ist eines der Projekte, mit denen der Ruhrverband seine Anlagen auf die Anforderungen der kommenden Jahrzehnte vorbereiten will.“

Investitionen sollen sich mehr als verdoppeln
Nach Abschluss eines rund 1,5 Milliarden Euro umfassenden Investitionsprogramms im Jahr 2005 habe für den Ruhrverband zunächst eine Phase der Konsolidierung begonnen. Schulden seien abgebaut, Betriebsabläufe verbessert und Personalstrukturen angepasst worden. Zugleich habe der Verband gezielt in bestehende Anlagen investiert und habe die eigene Energieerzeugung ausgebaut.

Die meisten Kläranlagen müssen saniert werden
Diese Entwicklung habe die wirtschaftliche Grundlage für die nun anstehenden Investitionen geschaffen. Die meisten Kläranlagen des Ruhrverbandes sind nach Angaben des Ruhrverbands inzwischen zwischen 25 und 35 Jahre alt. Sie erreichen damit ein Alter, in dem umfangreiche Erneuerungen erforderlich werden.

Der jährliche Investitionsbedarf soll von derzeit rund 50 bis 60 Millionen Euro auf künftig etwa 100 bis 130 Millionen Euro steigen. Der Ruhrverband arbeitet dazu an einer langfristigen Strategie, mit der die Erneuerung und der Ausbau der Anlagen bis 2040 geplant und gesteuert werden sollen.

Weniger, aber größere Kläranlagen
Ein wesentlicher Teil der Planungen betrifft demnach die Zahl und Größe der Kläranlagen: Der Ruhrverband betreibt derzeit 67 Anlagen. Bis zum Jahr 2040 soll ihre Zahl auf etwa 50 sinken.

Kleinere Standorte sollen nach Möglichkeit an größere und leistungsfähigere Kläranlagen angeschlossen werden. Diese können nach Einschätzung des Verbandes wirtschaftlicher betrieben und leichter mit moderner Reinigungstechnik ausgestattet werden. Zugleich soll der Gewässerschutz besonders an kleineren und empfindlichen Fließgewässern verbessert werden.

Steigen die Beiträge?
„Die Solidargemeinschaft unserer Mitglieder hat den Ruhrverband bereits in der Vergangenheit getragen und wird auch die bevorstehenden Investitionen ermöglichen“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Prof. Christoph Donner, so steht es in der Pressemitteilung. Ziel sei es, den Gewässerschutz langfristig auf hohem Niveau zu sichern und die Beitragsentwicklung verantwortungsvoll und ausgewogen zu gestalten.

Neue Vorgaben für die Abwasserreinigung
Zusätzlicher Handlungsbedarf ergebe sich aus neuen gesetzlichen Anforderungen. Dazu gehörten die neue Kommunalabwasserrichtlinie der Europäischen Union und die Klärschlammverordnung.

Chancen für technische Neuerungen
Geplant seien unter anderem vierte Reinigungsstufen, mit denen Spurenstoffe aus dem Abwasser entfernt werden könnten. Hinzu kämen die Rückgewinnung von Phosphor und neue Verfahren zur Behandlung von Klärschlamm. Der Ruhrverband sehe darin Chancen für technische Neuerungen und einen wirtschaftlicheren Betrieb. Bei der Finanzierung gebe es allerdings noch Unsicherheiten.

Neue Leitung zwischen Winterberg und Bestwig
Für die geplante Aufgabe der Kläranlage Winterberg-Niedersfeld muss nach Verbandsangaben eine neue Verbindung nach Bestwig-Velmede geschaffen werden. Ein erster, rund 900 Meter langer Leitungsabschnitt zwischen der Kläranlage Niedersfeld und Haus Wildenstein werde bereits gebaut. Die Arbeiten habe man dabei mit der Sanierung des RuhrtalRadwegs verbinden können. Der weitere Verlauf der Leitung befinde sich noch in der Planung.

Bevor das Abwasser vollständig nach Bestwig-Velmede geleitet werden könne, seien im Einzugsgebiet dort umfangreiche Vorarbeiten nötig. Dazu gehörten die Verringerung des Fremdwasseranteils, die Erweiterung vorhandener Kanalquerschnitte und eine neue Entwässerungsplanung. Vorgesehen sei außerdem eine Schmutzfrachtmodellierung. Wegen der Größe des Einzugsgebietes solle auch geprüft werden, wie sich das Kanalnetz künftig besser steuern lasse

Bestwig-Velmede erhält vierte Reinigungsstufe
Parallel plant der Ruhrverband nach eigenen Angaben die Erneuerung und Erweiterung der Kläranlage Bestwig-Velmede. Die Anlage solle eine vierte Reinigungsstufe erhalten. Die zusätzliche Abwassermenge aus Winterberg werde bei den Planungen bereits berücksichtigt.

Mit dem Projekt verbinde der Verband die Neuordnung seiner Kläranlagenstandorte mit einer verbesserten Reinigung des Abwassers und einem langfristig leistungsfähigen Gewässerschutz.


E-Mail: mrl@ruhrverband.de

Internet: www.ruhrverband.de

Verbandsrat: Oberbürgermeister Thomas Kufen, Vorsitzender
Vorstand: Prof. Dr. Christoph Donner, Vorsitzender, Christoph Gerbersmann, Carolin-Beate Fieback

Der Ruhrverband ist verantwortlicher Träger der umfassenden Wasserwirtschaft im gesamten Flussgebiet der Ruhr mit einem System von Talsperren zur Bewirtschaftung der Wassermengen und einem flächendeckenden Netzwerk von Abwasserbehandlungsanlagen und Ruhrstauseen zur Reinhaltung der Gewässer für 60 Kommunen.


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