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Bier, Bier, Bier? Kreisoberst Kai Imbach kritisiert falschen Fokus bei Schützenfest-Werbung

„Denkt einfach noch einmal über den Content nach.“

Erinnerungsfoto am Rande des Festtrubels: Geschäftsführer Robin Falkenberg, Kreisoberst Kai Imbach, das Kreis-Jungschützenkönigspaar Jannis Schmidt und Emilia Fink, Kreiskönigspaar Richard Reibeholz und Stephanie Hagenkamp, stellvertretender Kreisoberst Matthias Drees. · Foto: Thomas Brüggestraße


Schützengroßfamilie feiert in Niederense
Aufmarsch der Schützen-Großfamilie in Niederense: Der Kreisschützenbund Soest im Sauerländer Schützenbund (SSB) feierte am 11. und 12. September wieder ein Kreisschützenfest. Sie standen im Mittelpunkt: Richard Reibeholz von den Schützen St. Albertus Magnus aus Hovestadt wurde beim Schießen am ersten Festtag Kreiskönig, Jannis Schmidt von den Schützen St. Pankratius Körbecke Kreis-Jungschützenkönig.

Langer Zug an schmuck uniformierten Schützen
Der zweite Festtag am Samstag war wieder ein Statement: Die Schützen sind eine große Familie. Bestens gelaunt und bei angenehmem Wetter sammelten sich alle Vereine und Bruderschaften am Nachmittag auf dem Sportplatz und formierten sich zum Umzug durch den Ort, viel Publikum säumte die Straßen und spendete begeistert Applaus. Glanzvoller Höhepunkt: Der Vorbeimarsch an den Kreis-Königspaaren: Richard Reibeholz regiert mit Stephanie Hagenkamp, Jannis Schmidt mit Emilia Fink. Die Majestäten grüßten lange von einem Lieferwagen, der als mobile Bühne diente: Der lange Zug an schmuck uniformierten Schützen, Königs- und Hofstaatpaaren und zackig aufspielenden Musikzügen wollte schier nicht enden und bot Motive für bestimmt abendfüllende Bilderschauen.


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Kreisoberst Kai Imbach begrüßte zahlreiche Ehrengäste vom Bundesvorstand des Sauerländer Schützenbundes, von den Vorständen der Schützenkreise, vom Bund der Historischen Deutschen Schützen, aus Politik und Verwaltung.

Es geht doch um Werte, nicht ums Bier?
Kai Imbachs Festansprache stellte das Schützenwesen wieder vom Kopf auf die Füße: Der Kreisoberst wünschte sich einen anderen Fokus für die Außendarstellung. Natürlich: Ein Bierchen zum geselligen Gespräch sei gerne gesehen. Aber: Es gehe den Schützen doch um Werte, nicht ums Bier. Und sei es wirklich gut, dass Feste am Bierumsatz hingen?

Kai Imbach: „Zum einen: Herzlich willkommen zum Kreisschützenfest in Niederense. Die Schützen aus Niederense haben sich alle Mühe gegeben, uns heute hier einen Rahmen zu bauen, in dem es sich hervorragend miteinander feiern lässt. Ich bin sicher, dass dies ein toller Tag wird und wir viele nette Gespräche haben, neue Bekanntschaften schließen und besonders tolle Menschen treffen können. Nutzt dieses Event dafür, die Begeisterung des Schützenwesens, aber auch dessen Werte entsprechend darzustellen, damit alle, die noch nicht Teil der Gemeinschaft sind, sehen, was wir für die Gesellschaft leisten. Und nein, ich meine nicht, welchen Umsatz wir für die Brauerei machen, wenngleich ein Bier sicher nicht schlimm ist, sondern die Werte der Schützen, die unsere Tradition und unser Brauchtum ausmachen: Glaube – Sitte – Heimat.“

Über Miteinander und Zusammenhalt
Imbach weiter: „Ich denke, diese Werte sind heute wichtiger denn je, in einer ausufernden Welt, in einer Welt, in der die Worte immer mehr auf die Goldwaage gelegt werden, in einer Welt, in der Kriege plötzlich immer mehr entstehen und wir uns hierzu fragen müssen, ob es uns eigentlich zu gut geht, dass wir so mit unserer Welt und auch mit uns Menschen umgehen müssen. In einer Welt, in der wir sicher besser in Harmonie leben könnten, als uns gegenseitig fertig zu machen, nicht nur im Krieg, auch im Kleinen in den Ortschaften unseres Kreises, wo Nachbarschaftskriege um fünf Zentimeter Heckenwuchs oder andere Dinge die wirklichen Sorgen überlagern und das Miteinander zumindest für eine gewisse Zeit vergiften. Dabei sind wir Schützen es, die zum Miteinander und auch zum Zusammenhalt beitragen, indem wir unsere Werte in unserem Handeln einbinden und wirken lassen. Es könnte so einfach sein.“

Fest-Werbung: „Bin mir da sicher, dass wir das besser können.“
Imbachs kritische Anregungen: „In unserer Welt gibt es soziale Medien, oder wie die jungen Leute sagen würden: Social Media. Dies wird immer wieder und auch immer mehr für Werbung für Schützenfeste genutzt. Dieser Nutzen ist sicher gut. Leider wird bei der Werbung immer mehr und vor allem immer vorwiegender der Bierkonsum oder Alkohol insgesamt in den Vordergrund gerückt. Damit wird unser Schützenwesen unter einen Schatten gestellt, den es nicht verdient, denn Schützenwesen und auch ein Schützenfest ist so viel mehr als nur Bier saufen. Warum also stellen wir das so in den Vordergrund? Warum stellen wir stattdessen nicht die Gefallenenehrung, die Kranzniederlegung und Gedenkrede, den Zapfenstreich, die vielen Rituale der Schützen in der Parade, das Zusammenstehen und Zusammenleben, die guten Gespräche in den Vordergrund? Warum stellen wir nicht die Schützenmesse in den Vordergrund? Können wir damit nicht Werbung für unser Schützenwesen machen? Wäre das nicht vielleicht eine bessere Werbung? Vielleicht. Ich bin mir da sicher, dass wir das besser können.“

„Denkt bitte einfach noch einmal über den Content nach“
Imbachs Appell: „Ihr alle dürft aber eine andere Meinung dazu haben. Denkt bitte mit Euren Beauftragten für die sozialen Medien einfach noch einmal über den Content nach. Ich denke, ihr alle habt noch Ideen, die man sicher mehr in den Vordergrund stellen kann als Alkohol.“

Ihm sei klar, so schloss der Kreisoberst seine Ausführungen, „dass unser wirtschaftlicher Erfolg meist am Umsatz des Bieres gemessen wird. Ob das noch zeitgemäß ist, ist eine andere Frage.“


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