Schnattern für den guten Zweck
Miri geht baden

Miriam Eggert ist ein Jahr lang jeden Tag baden gegangen: Frieren für den guten Zweck mit beeindruckender Anteilnahme.
Wamel – „Gezögert. Und Schritt. Gewagt. Der Atem stockt. Der Körper schreit. Der Kopf wird still. Alles Überflüssige fällt ab. Knallrot kommst Du wieder raus. Bibbern. Lachen. Wach.“ So hat Kerstin Hellweg aus Herdringen ihre Gedanken zum Eisbaden notiert. Sie ist wegen „Miri“ hier. Weil Miri baden geht. „Miri“, das ist Miriam Eggert, Kreative aus Soest.
„Miri geht baden. Ich finde das toll“, lächelt „Ajast“ und stellt sich als Musikproduzentin vom Möhnesee vor: „Water“ heißt das Stück, das in Kürze über angesagte Kanäle zu haben ist.
Alle wollen das Finale mitgestalten
Gewusel im „Uferlos“: Einige Fans tragen T-Shirts mit zig Rautenschlagwörtern von „#365“ und „#baden“ über „#gutelaune“ und „#mirigehtbaden“ bis „#eisschwimmenmachtglücklich“. Um die 50 Mitmacher und Zuschauer sind im Strandbad versammelt am Samstagmorgen, 20. Dezember. Alle wollen das Finale mitgestalten: Miri geht noch mal baden, und dann ist Schluss und Kassensturz, das ist das Ziel. Ein Jahr lang ist sie jetzt baden gegangen. Jeden Tag. In der Möhne. Oder da, wo sie gerade war.
Für ambulanten Kinder-Hospizdienst
Mehr als 4500 Euro seien bislang an Spenden zusammengekommen für den ambulanten Kinderhospizdienst, erzählt Miriam Eggert. Auf den letzten Meter sollen es gerne noch ein paar Euro mehr werden. Renate und Petra, die beiden Ehrenamtlichen des Dienstes, sie strahlen schon glücklich. Vor dem Start erzählen sie vom Verein. Davon, dass sie in die Familien fahren. Oft schon ganz früh, noch bevor die so beklemmend endgültige Diagnose da sei: Ein junger Mensch wird früh sterben, wenn kein Wunder geschieht. Wie geht man um mit der eigenen Endlichkeit? Wie schafft man da noch Positives? Ja, noch viel mehr Ehrenamtliche könnten sie brauchen, um betroffenen Familien zu helfen, um Kinder zu begleiten. Die beiden erzählen auch davon, dass die Arbeit des Vereins nur durch Spenden finanziert werde — dass die Aktion von Miriam Eggert etwas ganz Besonderes sei, das ganz viel Lob und Dank verdiene.
Ab ins schnatterkalte Möhnewasser
Zurück zum Finale: Das Wasser ist schnatterkalt am Samstagvormittag, und Miriam Eggert will noch einmal ins Wasser steigen, so wie an jedem Tag seit exakt einem Jahr. „Egal, wo ich gerade war, egal, wie das Wetter war“, erzählt sie noch einmal von der Aktion. „Hier in der Möhne bin ich geschwommen, auch vor Mallorca, eigentlich in ganz Europa. In Seen, in Flüssen — Hauptsache jeden Tag einmal. Und jetzt im Winter wird auch nicht gekniffen — da ist dann Eisbaden angesagt.“ Ihre „verrückte“ Idee habe sie über die digitalen Medien bekannt gemacht, Fortschritte, Gedanken, Sorgen geteilt. Eggert: „Die Gemeinschaft hat mich angespornt, dran zu bleiben, nie aufzugeben. Bei diesem Wetter, bei diesen Temperaturen, da ist es ja doch eine echte Überwindung. Jedes Mal neu. Heute wird‘s auch eher die Kurzstrecke, glaube ich…“
Neopren ist nicht erlaubt beim Eisbaden
„Miris“ Fans haben sich schon mal zurückgezogen in die Umkleide: Ab in die Badeklamotten. Hose oder Bikini sind erlaubt — Neopren nicht. Die Aktion ist nichts für Weicheier.
Wie kommt man auf so eine Idee, jeden Tag ins Wasser zu steigen und sich auf allen möglichen Kanälen zu präsentieren? Eggert muss schmunzeln: „Ich brauchte das für mich. Eine sportliche Herausforderung, ich wollte Menschen zum Mitmachen motivieren — und es sollte besonders sein, es sollte auch einem guten Zweck dienen. Und schwierig sollte es sein. Dass da so eine schöne Sache draus wird, das hätte ich nie gedacht.“
Ein aufregendes Jahr mit vielen neuen Bekanntschaften
Die Augen glänzen, wenn Miriam Eggert zurückblickt auf ein aufregendes Jahr mit vielen neuen Bekanntschaften: „Es war das Beste, was ich je angefangen habe. So unglaublich schöne Momente, so emotional — ich bedanke mich bei allen, die unterstützt und mitgemacht haben, bei allen, die gespendet haben. Vielen Dank an Nils und Christian vom ‚Uferlos‘. Die Hälfte der Einnahmen geht an den Kinderhospizdienst.“
Kollektiv Baden gehen zum Finale
Jetzt muss sie selber noch schnell in den Zweiteiler. Ganz fix noch ein Kuschelfoto mit 20 Mutigen auf dem Sand, und dann ab ins kalte Wasser. Der Atem stockt. Der Körper schreit. Hut ab: Niemand kneift. Draußen auf dem Sand, da bekommt der Rest schon vom Zusehen eine Gänsehaut. Keine zehn Minuten, dann sind Miriam Eggert und ihre Begleiter wieder raus aus dem Wasser, bibbern und zittern und liegen sich glücklich in den Armen: Versprechen gehalten, Ziel erreicht. Glühwein kreist. Und heißer Kakao.
Und jetzt? „Erst mal in Ruhe abschließen, diese Momente genießen, dann schauen, was kommt“, sagt Miriam Eggert. Gibt es Pläne für 2026? „Ja, gibt es.“
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