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Möhnesees Archivleiterin Dr. Lena Lewald erhält viel Lob für unschätzbare Hilfe zu bedeutsamer Ausstellung

Auf den Flügeln der Freundschaft

Gateway nach Lincolnshire
Die Freunde aus Möhnesee und Scampton haben sich „auf den Flügeln der Freundschaft“ an einer gewaltigen Landmarke aufgestellt: „On Freedom’s Wings“, das ist ein Bomber als Denkmal. 31 Meter Spannweite, rund 100 Tonnen Gewicht und knapp eine Million Pfund Kosten. Die gewaltige Stahlskulptur erinnert an die Bomberbesatzungen des Zweiten Weltkriegs, ist ein Gateway zur Grafschaft Lincolnshire. Ein Lancaster-Bomber scheint über der Landschaft eine Kurve zu fliegen. Tatsächlich aber steht die Maschine auf hohen Stahlstützen: „On Freedom’s Wings“ – auf Deutsch „Auf den Flügeln der Freiheit“ – ist eine Skulptur in Originalgröße. Sie befindet sich bei Norton Disney in der englischen Grafschaft Lincolnshire, nahe der Grenze zu Nottinghamshire, neben der Fernstraße A46 zwischen Newark und Lincoln. Dargestellt ist ein viermotoriger Bomber vom Typ Avro Lancaster. Die Aufnahme entstand im Vorfeld einer Ausstellung: „After Me The Flood“ zeigt in beeindruckend Bildern die deutsche Sicht auf die Zerstörung der Möhnetalsperre. Möhnesees Archivleiterin Dr. Lena Lewald leistete unschätzbare Vorarbeit, für eine große Ausstellung im International Bomber Command Centre IBCC in Lincoln. Im Vereinigten Königreich noch nie gezeigte Aufnahmen aus den Sammlungen Euler und Rohland in Obhut des Gemeindearchivs zeigen das Grauen nach dem Angriff auf die Möhnetalsperre. · Foto: Freundeskreis Scampton


Eine Maschine auf dem Heimweg

Die Haltung des Flugzeugs ist bewusst gewählt: Mit geneigten Tragflächen soll es aussehen, als kehre die Lancaster zum früheren RAF-Flugplatz Swinderby zurück, der nur etwa drei Kilometer entfernt liegt. Die Initiatoren wollen damit an die Besatzungen des britischen Bomber Commands und die enge Verbindung der Region zur Luftkriegsgeschichte erinnern. Zugleich soll das weithin sichtbare Bauwerk ein Wahrzeichen am Eingang nach Lincolnshire sein. Träger ist der gemeinnützige Bomber County Gateway Trust.

31 Meter Spannweite und rund 100 Tonnen Stahl

Nach Angaben der ausführenden Firma Timmins Engineering ist die Skulptur 26 Meter lang und hat eine Spannweite von 31 Metern. Das gesamte Bauwerk erreicht eine Höhe von 29 Metern; das Gewicht wird mit ungefähr 100 Tonnen angegeben. Ein tragendes Stahlskelett und Bauteile aus wetterfestem Cortenstahl geben dem Flugzeug seine Form. Die rostbraune Oberfläche ist gewollt: Der Stahl bildet unter Witterungseinfluss eine schützende Patina. Die offene, gerippte Konstruktion macht aus der bekannten Flugzeugsilhouette ein eigenständiges Kunstwerk. Für die technische Planung ließ das Ingenieurbüro BSP Consulting die erhaltene Lancaster „Just Jane“ im Lincolnshire Aviation Heritage Centre digital erfassen. Aus dem Modell entwickelten die Fachleute die Tragkonstruktion und berechneten unter anderem Eigengewicht und Windbelastung.

Knapp eine Million Pfund – getragen von vielen Unterstützern

BSP Consulting bezifferte die Kosten im September 2025 auf knapp eine Million britische Pfund. Dabei handelt es sich um eine veröffentlichte Projektangabe; eine abschließende Kostenabrechnung liegt diesem Bericht nicht zugrunde. Nach Angaben des Trusts wurde die Installation vollständig durch Spenden und Sponsoring finanziert. Menschen aus der Bevölkerung, Unternehmen und Organisationen beteiligten sich; hinzu kamen ehrenamtliche Arbeit und Sachleistungen. Beispielsweise stellte Hutchinson Engineering Hebeleistungen kostenlos bereit. Auch kommunale Unterstützung gab es: Der North Kesteven District Council spendete bereits in einer frühen Projektphase 10.000 Pfund.

Etwa acht Jahre von der Idee bis zur Aufstellung

Die erste Idee entstand 2017, der offizielle Projektstart folgte 2018 zum hundertjährigen Bestehen der Royal Air Force. Timmins Engineering kam 2019 hinzu; 2022 begann die Stahlfertigung. Im September 2025 wurden die Bauteile zum Standort gebracht und zur Skulptur zusammengesetzt. Damit lagen zwischen der ersten Idee und der Aufstellung etwa acht Jahre – eine Zeit für Planung, Spendensammlung, Konstruktion und Bau. · Quellen: Bomber County Gateway Trust, Timmins Engineering und BSP Consulting.

Quellen: Bomber County Gateway Trust, Timmins Engineering und BSP Consulting.


Bomber
Geladene Gäste des Empfangs am 5. Oktober schauen sich die großformatigen Aufnahmen und begleitenden Erläuterungen an. · Foto: Freundeskreis Scampton.


► „After Me, The Flood“
Ab dem 6. Oktober bis Februar 2027 zeigt das International Bomber Command Centre in Lincolnshire Interessierten noch nie gesehene Aufnahmen zur Möhnekatastrophe: Bilder aus den Sammlungen Euler und Rohland in Obhut des Gemeindearchivs Möhnesee beleuchten den Angriff auf die Sperrmauer, das Grauen und die Tage danach – aus deutscher Sicht. Ein Perspektivwechsel Jahrzehnte danach. Man sei Dr. Lewald zutiefst dankbar für die unschätzbare Hilfe beim Aufbau und der Zusammenstellung der Ausstellung, so bedanken sie sich in Lincolnshire großformatig. Dr. Lena Lewald hielt am 5. Oktober eine der Festreden.


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Dr. Lena Lewald im Fernsehinterview. Sie erläuterte, wie die Ausstellungsstücke gesichtet, digitalisiert und gemeinsam mit Erläuterungen und Bildtexten nach England übertragen wurden. Dort hat ein Grafiker die Ausstellungstafeln entworfen.


Bomber
Ein Teil der Gruppe hat sich vor dem Empfang am 5. Oktober vor dem International Bomber Command Centre in Lincoln für ein Erinnerungsfoto aufgestellt. · Foto: Freundeskreis Scampton.


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Dieses Bild haben Schüler der Möhneseeschule entwickelt: „Es ist immer möglich, in Frieden zu leben“, so haben sie dazugeschrieben.


Bomber
Dr. Lena Lewald war gefragt für viele Interviews · Foto: Freundeskreis Scampton.


„Perspektive derjenigen, die die Katastrophe erlebten“
Offizielle des Bomber Command Centres (IBCC) und der Erinnerungsarbeit sprachen beim Empfang, strichen den Stellenwert von Frieden und Zusammenarbeit heraus, lobten die aufwendige und akribische Vorarbeit von Dr. Lena Lewald, Schüler aus Scampton lasen Texte vor. Die Ausstellung in Lincoln läuft vom 6. Oktober 2026 bis zum 28. Februar 2027. Das IBCC schreibt auf seiner Internetseite zur Ausstellung: „After Me, The Flood“ vereint erstmals Hunderte Fotografien und Filmaufnahmen von den unmittelbaren Folgen des Angriffs auf die Möhnetalsperre sowie vom anschließenden, 17 Wochen dauernden Wiederaufbau. Das Material stammt aus kommunalen Archiven, privaten Sammlungen und von Heimatforschern aus der Möhneregion. Die bislang nicht gemeinsam gezeigten Aufnahmen beleuchten die Folgen für Menschen und Landschaft aus der Perspektive derjenigen, die die Katastrophe erlebten. Das Museum dankt den beteiligten Institutionen und Privatpersonen. Ergänzende Geschichten, Hintergrundinformationen und weitere Bilder sollen die Ausstellung in den kommenden Monaten auf der Website begleiten.“

„Unschätzbare Unterstützung“: Großformatiges Dankeschön an Dr. Lena Lewald
Auf einem Aufsteller ist dieser Dank zu lesen: „Nach mir die Sintflut“ Aviation Heritage Lincolnshire, das International Bomber Command Centre und die University of Lincoln sind Dr. Lena Lewald, leitende Archivarin des Möhnesee-Archivs, für ihre unschätzbare Unterstützung bei der Erstellung dieser Ausstellung sowie für den Zugang zur Rohland-Sammlung zu großem Dank verpflichtet. Außerdem möchten wir den Familien Euler und Rohland dafür danken, dass sie die Nutzung ihrer Sammlungen ermöglicht haben, sowie Uwe Kriening vom Stadtarchiv Bochum für den Film, der die entstandenen Schäden zeigt.

Anmerkung: Der Titel der Ausstellung „After me, the flood“ entspricht dem französischen Ausspruch „Après moi, le déluge“ und wird im Deutschen üblicherweise mit „Nach mir die Sintflut“ wiedergegeben. „Après moi, le déluge“ war das Motto der RAF-Staffel 617, die 1943 die Angriffe auf die deutschen Talsperren flog. Die Staffel flog ab vom Flughafen in Scampton, wo heute der Pub „Dambusters’ Inn“ steht. Dort kam es zu einer Begegnung mit Folgen.


► Die Ausstellungsbeschreibung auf den Seiten des IBCC


„Wir können es uns nicht leisten, uns auszuruhen“

Dr. Lena Lewald betonte in ihrer Rede zur Eröffnung der Ausstellung die Bedeutung gemeinsamer Erinnerungsarbeit. Für das kleine Gemeindearchiv Möhnesee sei es eine besondere Ehre, seine historischen Bestände auf einer internationalen Bühne präsentieren zu können. Die Dokumente dürften „nicht einfach in Kisten in einem dunklen Magazin aufbewahrt werden“, sondern sollten der historischen und politischen Bildung dienen.

Die Ausstellung erzähle die Geschichte der Möhnekatastrophe aus beiden Perspektiven. Lewald würdigte die technische Leistung des Angriffs der britischen 617. Staffel, stellte ihr aber die verheerenden Folgen für die Zivilbevölkerung gegenüber. Familien seien auseinandergerissen, ganze Dörfer zerstört worden. Die erstmals in England gezeigten Fotografien, Dokumente und Filme bildeten ein ernüchterndes Gegengewicht zur vielfach gefeierten Geschichte der „Dambusters“.

Wie wenig das Ausmaß der Verwüstung selbst Beteiligten bekannt gewesen sei, verdeutlichte sie anhand eines Briefes des Bombenkonstrukteurs Barnes Wallis an Helmuth Euler von 1975. Darin habe Wallis geschrieben: „Bis ich Ihr Buch sah, hatte ich keine Vorstellung von dem gewaltigen Ausmaß der Schäden an all den umliegenden Wohnstätten.“

Besonderes Gewicht legte Lewald auf die Menschen, die unter dem NS-Regime zum Wiederaufbau der Sperrmauer gezwungen wurden. Dass dieser innerhalb von nur 17 Wochen gelang, sei auch durch den Einsatz von Zwangsarbeit ermöglicht worden. Das Tagebuch des niederländischen Zwangsarbeiters Piet Hilkmann schildere die grausamen Bedingungen, den psychischen Druck, Misshandlungen und Todesfälle. Zugleich zeuge es von Solidarität und Menschlichkeit unter den Betroffenen.

Zu den bedeutenden Beständen des Archivs gehörten außerdem die 140 Schwarz-Weiß-Fotografien der Sammlung Rohland, aufgenommen am Morgen nach dem Angriff, sowie der von Henriette Euler übergebene Nachlass ihres Mannes Helmuth. Dessen Interviews, Filme, Fotografien und Forschungsunterlagen bewahrten deutsche ebenso wie britische Stimmen.

Aus diesen historischen Zeugnissen erwachse eine Verantwortung für die Gegenwart, erklärte Lewald. Es sei unbegreiflich, dass Krieg, Gewalt, Vertreibung und Verfolgung weiterhin die Welt prägten. Lewald: „Es ist unbegreiflich, dass auch heute noch Krieg, Gewalt, Vertreibung und Verfolgung unsere Welt prägen, dass Macht, Land und Geld weiterhin Vorrang vor dem Wert menschlichen Lebens haben. Es ist unerlässlich, diese historischen Fotografien, Dokumente und Augenzeugenberichte zu bewahren, in ihren Zusammenhang einzuordnen und auch in den kommenden Jahren immer wieder für die historische und politische Bildung zugänglich zu machen. Es wäre ein Irrglaube anzunehmen, dass die seit 1945 geleistete Erinnerungsarbeit unsere Gesellschaft geprägt und gegen Krieg und Hass immun gemacht habe. Sehr deutliche Signale aus unserer Gesellschaft zeigen, dass wir es uns nicht leisten können, uns auszuruhen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Erinnerung wach bleibt, dass Geschichte nicht für andere Zwecke umgedeutet wird und dass junge Menschen sich nicht abwenden und aufhören zuzuhören.“

Die Freundschaft zwischen Menschen aus Scampton und vom Möhnesee, aus der die Ausstellung hervorgegangen sei, setze dafür ein wichtiges Zeichen. „Das Gegenteil von Krieg ist nicht lediglich die Abwesenheit von Konflikten, sondern auch Freundschaft und Solidarität“, sagte Lewald. Die gemeinsame Arbeit verbinde alle Beteiligten in der Botschaft, dass sich eine solche Katastrophe niemals wiederholen dürfe.

► Das Redemanuskript wurde MöhneReport komplett zur Verfügung gestellt, Abweichungen sind nicht bekannt geworden.



Das sind Air Chief Marshal Sir Michael Graydon, Nicky van der Drift, Leiterin des International Bomber Command Centre (IBCC) in Lincoln, Lincolnshire, Dave Harrigan, Development Officer Aviation Heritage Lincolnshire, Dr. Lena Lewald, Leiterin des Gemeindearchivs Möhnesee, Charlie Hebborn, Schulleiter der Scampton Church of England Primary School. Das Gruppenbild entstand beim Empfang zur Ausstellungseröffnung “After me the flood”. · Foto: Freundeskreis Scampton.

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