Nur wenige Menschen legten Blumen auf die Stolpersteine.
Verregnetes Gedenken

Sie waren beim Besuch von MöhneReport gerade vor Ort bei den Stolpersteinen: von links Harald Beckers, Tommy Lee Fülling, Karin Grawe, Charlotte Paprotta und Christian Klespe. · Foto: Thomas Brüggestraße
Beschluss aus der Freizeitpolitik
Auch das muss Demokratie aushalten: Freizeitpolitiker beschließen in einer Kleinstadt in Sachsen, dass keine „Stolpersteine“ mehr verlegt werden sollen. Es könne ja nicht sein, dass man auf dem Namen von Verschleppten und Ermordeten trete mit Schuhen oder Stiefeln. Was die Bürgerinitiative Oberelbe für mehr Demokratie, die CDU und die AfD in ihrer ebenso unseligen wie wenig gescheiten Allianz nicht auf dem Zettel hatten: Künstler haben eine Idee, und die von Gunter Demnig war, den Menschen, die die Nazis aus den Häusern gezerrt und in KZs abtransportiert hatten, an Ort und Stelle Denk-mal-nach-Steine zu widmen. Stolpersteine. Verlegt genau dort, wo das Grausige geschah.
Die Ratsherren und -frauen in Heidenau setzten sich darüber hinweg, auch über die Empfehlung der parteilosen Bürgermeisterin und ihrer Verwaltung: Ein Gedenkort auf dem Friedhof könne Erinnerung ergänzen, aber nicht ersetzen — Stolpersteine gehörten mitten ins Leben, in die Städte und die Ortschaften, an Ort und Stelle.
Blumen für Max und Henriette Meyerhoff
An Ort und Stelle sollten am Wochenmarktag in Körbecke Blumen niedergelegt werden an den Stolpersteinen für Max und Henriette Meierhoff. Vor einem Haus in der Straße Am Kirchplatz. In stillem Gedenken am Donnerstag, 1. Oktober. Die beiden Initiatoren aus Möhnesee wollten namentlich nicht genannt werden, hinter das Andenken an das Schicksal der einstmals in Körbecke geachteten Familie zurücktreten. Weil sie Juden waren, durften Meyerhoffs nicht weiter glücklich sein im Ort.
Vor drei Jahren hat Gunter Demnig die Stolpersteine in Körbecke verlegt. Persönlich. Das mache er immer für die ersten Steine in einer Stadt oder Gemeinde. Erinnerungsarbeit sei sein Antrieb, dieser wichtige Appell: „Nie wieder!“ Am 27. Oktober wird Gunter Demnig 79 Jahre alt.
Es regnete
Es regnete am Donnerstag. Die Körbecker blieben daheim. Auf dem Markt war nichts los — es hatten auch nur zwei Beschicker aufgebaut. Wenige Menschen legten Blumen nieder. Karin Grawe aus Waldhausen und Charlotte Paprotta aus Anröchte gehörten dazu: „Wir gehören zu ,Omas gegen Rechts“, erzählten beide. „Wir sind von einem Gruppenmitglied hier aus Körbecke Bescheid gekommen und haben uns auf den Weg über die Haar gemacht.“ Ein Skandal sei der Beschluss aus Heidenau, fand Karin Grawe: „Erinnerungskultur ist wichtig. Dass heute gesagt werde, es müsse auch mal gut sein so viele Jahre nach dem Krieg — ihr werde schlecht dabei, es sei einfach unerträglich.

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