Air Chief Marshal Sir Michael Graydon über die Bilderschau zur Möhnekatastrophe. Großes Lob für Dr. Lena Lewald
Krieg und Geschichte, das erlebt jeder für sich

Air Chief Marshal (ACM) Sir Michael James Graydon (rechts im Bild), geboren am 24. Oktober 1938, ist ein ehemaliger britischer Luftwaffengeneral. Er trat 1957 in die Royal Air Force ein und war zunächst als Pilot und Fluglehrer tätig. Nach verschiedenen Führungspositionen übernahm er 1991 das RAF Strike Command. Von 1992 bis 1997 stand er als Chief of the Air Staff an der Spitze der britischen Luftwaffe. Für seine Verdienste wurde er unter anderem mit dem Großkreuz des Bathordens ausgezeichnet, so beschreibt ihn die Royal Air Force. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst engagiert sich Graydon für die Bewahrung der britischen Luftfahrtgeschichte. Er ist Vorsitzender des Kuratoriums des International Bomber Command Centre (IBCC) in Lincoln, einer Gedenk- und Bildungseinrichtung zur Geschichte des britischen Bomberkommandos und den Folgen des Luftkriegs für die Menschen. (Quelle: Royal Air Force/IBCC) · Foto: Freundeskreis Scampton.
„Die heranrollende Welle klang wie zehn Güterzüge“, so steht es über dem Großformat, das das Loch in der geborstenen Sperrmauer zeigt. Die Welle habe anfangs eine Höhe von zwölf Metern gehabt, noch 40 Kilometer entfernt sei die Flut zwei Meter hoch gewesen, so steht es auf dem beschrifteten Bild daneben: Die Aufnahmen aus der Sammlung Euler machen immer wieder sprachlos. Der Blick bei der ab dem 6. Oktober für das Publikum offenen Ausstellung „Nach mir die Sintflut“ führt für Briten weg von der rein technischen Betrachtung durch die Augen einer Siegernation, hin zu einem neuen Verständnis: Krieg, Gewalt, Ereignisse – Geschichte, das alles erlebten Menschen jeweils einzeln für sich, Familien, Gemeinschaften, Gruppen. Auf allen Seiten. Es wirke nach über Generationen. Man sei sehr dankbar: Das von Möhnesees Archivleiterin Dr. Lena Lewald erschlossene Archivnmaterial habe neue Perspektiven eröffnet, einen neuen Blick auf die Möhnetalsperre und das Kriegsgeschehen sagt ein pensionierter Air Chief Marshal in seiner Festrede zur Ausstellungseröffnung „After Me, The Flood“. MöhneReport veröffentlicht die Rede im Wortlaut.
„Nach mir die Sintflut“ – Ausstellungseröffnung
Guten Tag, meine Damen und Herren,
Diese Ausstellung ist ein wichtiger Schritt auf unserem Weg, die Geschichte des Bomber Command ehrlich, historisch genau und mit Menschlichkeit zu erzählen. Das IBCC wurde gegründet, um sicherzustellen, dass die Erfahrungen derjenigen, die im Einsatz waren, und derjenigen, die Leid erfahren haben, bewahrt und verstanden werden. Nach mir die Sintflut knüpft unmittelbar an diesen Auftrag an. Die Ausstellung führt Zeitzeugenberichte und Archivmaterial zusammen, um die Ereignisse rund um den Angriff auf die Möhnetalsperre und seine Folgen zu beleuchten und die Auswirkungen auf die betroffenen Menschen sichtbar zu machen.
Ich möchte die bemerkenswerte Arbeit unseres Kurators, Dr. Dan Ellin, würdigen, der diese Ausstellung mit großer Sorgfalt und einem tiefen Verständnis für die Vielschichtigkeit des Themas zusammengestellt hat. Ebenso danke ich Dave Harrigan von Aviation Heritage Lincolnshire, der maßgeblich dazu beigetragen hat, diese Sammlungen an das IBCC zu bringen. Ihr Einsatz für eine einfühlsame Vermittlung trägt entscheidend dazu bei, dass die Ausstellung der Komplexität der dargestellten Geschichte gerecht wird.
Unser besonderer Dank gilt auch unseren internationalen Partnern. Insbesondere möchte ich Dr. Lena Lewald vom Archiv Möhnesee und der Familie Euler herzlich dafür danken, dass sie uns erlauben, ihre herausragenden Sammlungen erstmals im Vereinigten Königreich zu präsentieren. Lenas Fachwissen, ihre Großzügigkeit und ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit haben die Arbeit des IBCC unermesslich bereichert. Das von ihr erschlossene Archivmaterial eröffnet neue Perspektiven und vertieft unser Verständnis dafür, wie sich der Krieg auf Menschen und Gemeinden weit über das unmittelbare Kriegsgeschehen hinaus ausgewirkt hat.
Es ist wunderbar, heute auch so viele Vertreterinnen und Vertreter aus der Gemeinde Möhnesee begrüßen zu dürfen. Vielen Dank, dass Sie die Reise auf sich genommen haben und unsere Arbeit hier am IBCC unterstützen. Ebenso herzlich heißen wir die Kolleginnen und Kollegen des Militärmuseums in Berlin willkommen.
Diese Ausstellung handelt nicht allein von der Vergangenheit. Sie handelt auch von der Verantwortung, die wir heute tragen: zu erinnern, nachzudenken und zu lernen. Die hier bewahrten Geschichten führen uns vor Augen, dass Geschichte von einzelnen Menschen, Familien und Gemeinschaften erlebt – und vielfach erlitten – wird und dass ihre Folgen über Generationen hinweg nachwirken. Indem wir diese Geschichten zusammenführen, möchten wir zum Nachdenken und Lernen anregen. Beides ist in unserer von Konflikten geprägten Welt so notwendig, um den Frieden zu bewahren.
Ich möchte allen danken, die zur Entstehung von Nach mir die Sintflut beigetragen haben: Aviation Heritage Lincolnshire, der University of Lincoln, der Scampton Primary School, deren Verbindung zu den Kindern aus Möhnesee so inspirierend ist, und selbstverständlich unserem Sponsor Away Resorts. Ihre Unterstützung ermöglicht es uns, die historische Überlieferung weiter zu ergänzen und sie einem Publikum hier im Vereinigten Königreich und auf der ganzen Welt zugänglich zu machen.
Noch einmal herzlichen Dank, dass Sie heute bei uns sind. Ich hoffe, dass Ihnen die Ausstellung neue Einblicke vermittelt und Sie zugleich berührt. Nehmen Sie sich Zeit für die ausgestellten Materialien, kommen Sie mit unserem Team ins Gespräch und entdecken Sie die persönlichen Geschichten hinter den historischen Ereignissen.
Vielen Dank.

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