Vorabinterview mit dem Drachenexperten Jürgen Kammler
Was fliegt denn da? Drachenfest in Theiningsen

Ganz langsam richtet sich der Lindwurm auf. Ist der Luftsack prall gefüllt, steigt auch dieses Fabelwesen in den Himmel auf. Archivfoto: Thomas Brüggestraße, 2025.
Ein bunter Herbsthimmel über der Haar
Theiningsen. Die Felder sind abgeerntet, der Herbstwind lockt nach draußen: Am Sonntag, 18. Oktober, von 11 bis 18 Uhr lädt der Gasthof Schulte an der Thingstraße 6 zum 18. Drachenfest ein. Der Eintritt ist frei, eine Kinderbastelaktion gehört zum Programm. Wer seinen eigenen Drachen mitbringt, hat vielleicht besonders viel Freude daran – erst recht, wenn der Windvogel am heimischen Küchentisch entstanden ist.
Wie gelingt der Eigenbau? Welche Materialien eignen sich? Und wer hilft, wenn der Drachen partout nicht abheben möchte? Drachenexperte Jürgen Kammler hat dazu praktische Tipps zusammengestellt.
MöhneReport: Herr Kammler, was macht das Drachensteigen im Herbst für Sie besonders schön?
Jürgen Kammler: Die Tage werden kürzer, die Ernte ist eingebracht. Was gibt es Schöneres, als die letzten warmen Sonnentage im Freien zu genießen und einen Drachen steigen zu lassen? Am meisten Spaß macht es, wenn der Windvogel auch noch in der eigenen Werkstatt oder am Küchentisch entstanden ist.
MöhneReport: Früher war Selberbauen für viele die einzige Möglichkeit. Wie entstanden diese Drachen?
Jürgen Kammler: Es wurde verbaut, was der Haushalt hergab. Zeitungs- oder Paketpapier wurde mit Kartoffelkleister oder Leim auf ein Leistengerüst geklebt. Ein langer Drachenschwanz aus Bindfaden, Grasbüscheln oder gefalteten Papierresten gab dem Ganzen die nötige Richtungsstabilität. An einer langen Hanfschnur durfte der Drachen dann aufsteigen.
Vom Küchentisch auf die Drachenwiese
MöhneReport: Was brauchen Einsteiger heute für einen selbstgebauten Drachen?
Jürgen Kammler: An geeignetes Material kommen wir heute viel einfacher. Bau- und Gartenmärkte bieten unterschiedliche Schnüre und Rundhölzer an. Für größere Modelle sind Bambusstäbe eine gute Wahl. Dazu kommen buntes Bastelpapier oder Kunststofffolie, beispielsweise von Müllsäcken. Auch eine Rettungsdecke eignet sich zum Drachenbau.
Die Werkzeuge finden sich oft schon im Haushalt: eine Schere, eine kleine Säge, Schleifpapier, Klebeband, Bastelkleber und ein Maßband.
MöhneReport: Lieber Papier oder Folie – worin unterscheiden sich die Materialien?
Jürgen Kammler: Bastelpapier bietet die schönere Optik, ist aber aufwendiger zu verarbeiten. Papierdrachen lassen sich für den Transport zur Drachenwiese nicht gut zerlegen. Deshalb eignet sich das Material eher für kleinere Modelle.
Folien sind stabiler, lassen sich gut schneiden und mit Klebeband zusammenfügen. Besonders beanspruchte Stellen werden mit Gewebeband verstärkt. Zum Transport kann man die Stäbe herausnehmen und den Drachen zusammenrollen. Auch ein Regenschauer zerstört einen solchen Windvogel nicht gleich.
MöhneReport: Und wenn jemand etwas mehr Aufwand betreiben möchte?
Jürgen Kammler: Dann lässt sich ein Drachen aus Ripstop-Nylon bauen. Das Material bekommt man in Drachenläden oder im Internet. Dafür braucht man allerdings eine Nähmaschine und Grundkenntnisse in ihrer Bedienung.
Benötigt das Modell ein Stabgerüst, sind Kohle- oder Glasfaserrohre die erste Wahl. Steckverbinder, Schutzkappen aus Gummi und Pfeilnocken ermöglichen ein stabiles Gerüst, das sich zusammen- und auseinanderbauen lässt. Diese Windvögel sind leicht, formstabil und unempfindlich gegen Regen und Feuchtigkeit.
Mit Bauplan, Bastelhilfe und etwas Geduld
MöhneReport: Wo finden Interessierte passende Anleitungen?
Jürgen Kammler: Ausführliche Baupläne gibt es in Drachenbüchern, Drachenmagazinen und im Internet, beispielsweise bei Kite Plan Base oder auf den Webseiten von Drachenprofis. Immer wieder werden auch Workshops angeboten. Unter fachkundiger Anleitung können dabei beeindruckende Ergebnisse entstehen.
MöhneReport: Können auch Kinder auf einem Drachenfest ihren eigenen Drachen bauen?
Jürgen Kammler: Bastelaktionen auf Drachenfesten sind dafür eine gute Möglichkeit. Dort entstehen einfache Kinderdrachen meist aus vorgefertigten Materialien. Sie können in wenigen Minuten zusammengebaut und gestaltet werden.
MöhneReport: Was tun, wenn der selbstgebaute Drachen nicht fliegen will?
Jürgen Kammler: Meistens liegt es nur an einer Kleinigkeit. Auf Drachenfesten wie hier in Möhnesee-Theiningsen sind immer ein paar Drachenprofis, die sich den Flieger ansehen und ihn in der Regel auch zum Fliegen bringen. Wenn dann Wind und Wetter passen, steht einem gelungenen Drachentag nichts mehr im Weg. Wir freuen uns wie jedes Jahr auf die vielen Drachen, die den Herbsthimmel bunt machen.

Termin und Treffpunkt
18. Drachenfest: Sonntag, 18. Oktober 2026, von 11 bis 18 Uhr, am Gasthof Schulte, Thingstraße 6, Möhnesee-Theiningsen. Mit Kinderbastelaktion. Eintritt frei.
Weitere Informationen: Gasthof Schulte

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