von Brü

Neue Gefahr mitten im Wohngebiet?

Foto: Privat

Delecke – Erst war es ein verwunschener Ort. Ein sogenannter „Lost Place“, über Jahrzehnte mehr und mehr hinter dichtem Bewuchs verschwunden. Bäume, Sträucher, Gestrüpp: Wer das verlassene Haus oberhalb der Linkstraße in Delecke nicht kannte, sah es kaum. Wer es suchte, musste schon wissen, wo er suchen musste. Ja, es stimmt: Das Gelände hat wohl spezielle Besucher angezogen, wie ein Video zu belegen scheint, das bei der letzten Sitzung im Rathaus gezeigt wurde. Handeln schien geboten. Vielleicht sogar dringend und endlich mal.

Alles wieder gut?
Nach der umstrittenen Rodung ist aber auch nicht alles gut, wie besorgte Möhneseer glauben, die sich an MöhneReport gewandt haben. Das ist die Situation, die sich mit Fotos belegen lässt: Das Gelände ist freigeräumt. Das Haus mit Reetdach ist jetzt offen einsehbar. Nach Beobachtungen vor Ort wirkt das Grundstück nicht so gesichert, dass unbefugter Zutritt zuverlässig verhindert würde. Auf dem Gelände stapelt sich gerodetes Holz. Das zuvor kaum wahrnehmbare Haus könnte durch die Freilegung nun für Neugierige, besonders für Lost-Place-Fans deutlich attraktiver geworden sein. Ein frei zugängliches Gelände mit aufgeschichtetem Holz und einem maroden Gebäude mit Reetdach mitten in einer Wohnbebauung müsse gesichert und beaufsichtigt sein, so haben es sachkundige Menschen im Gespräch mit MöhneReport gefordert.

„Lange Termine.“ — Gemeinde antwortet nicht
MöhneReport hat die Gemeinde Möhnesee am Montag um Stellungnahme gebeten. Die Pressestelle teilte mit, sie werde sich kümmern. Bis zur Veröffentlichung lag jedoch keine Antwort vor. Telefonieren mit Bürgermeister Wolf Blesken? „Der hat lange Termine, das wird nicht klappen“, so lautete die Auskunft.

Bürgergemeinschaft bezweifelt Rechtmäßigkeit
Die Bürgergemeinschaft hatte bereits in einem „Blauen Brief“ an den Bürgermeister Antworten zur Rodung verlangt. Mit Frist bis zum 20. Mai. Dabei ging es vor allem um die Rechtmäßigkeit der Maßnahme, den Zeitpunkt mitten in der Schutzzeit und die Frage, ob tatsächlich Gefahr im Verzug vorlag. Ob ausgerechnet jetzt Handeln geboten war, wo doch wenigstens drei Vorgänger im Bürgermeisteramt keinen Bagger bestellt haben.

Vertrauen in Verwaltungshandeln
Vertrauen in Verwaltungshandeln sollte es geben: Die Rodung soll nicht aus Leichtfertigkeit veranlasst worden sein, sondern aus genau dem Gegenteil – aus dem Willen heraus, eine seit Jahren bekannte Problemstelle endlich konsequent zu beseitigen, Gefahren abzuwenden, so ist es im Ausschuss dargestellt worden. Fragen blieben offen.  Ein verlassenes Haus, ein möglicherweise unsicheres Gelände, die Sorge, dass dort irgendwann etwas passiert: Das alles sind Gründe, die eine Verwaltung ernst nehmen muss.

Fragen sind offen
Der Gedanke, dass Menschenleben im Zweifel schwerer wiegen als naturschutzrechtliche Bedenken könnte hinter der konsequenten Rodung an der Linkstraße stehen. Fragen bleiben: Wie ist die Gefahrenabwägung erfolgt, wer war alles eingebunden, wer nicht, wer hat was wann unterschrieben? Wer genau ist beauftragt worden? Sind spielende Kinder auf dem Gelände sicher?