Nach Betrugsfällen im Kreis Soest: Polizei informiert bei der Senioren-Union
Der Schock ist ihre Masche

48 Gäste kamen zum Präventionsvortrag der Senioren-Union Möhnesee in die SeeAlm. Bild: übermittelt von Werner Grothof.
MÖHNESEE/KREIS SOEST. Die Tochter sei schwer krank, nur ein teures Medikament aus der Schweiz könne ihr Leben retten: Mit dieser erfundenen Geschichte setzten Betrüger am 29. September eine Seniorin in Werl-Hilbeck unter Druck. Eine angebliche Krankenschwester und ein vermeintlicher Arzt verlangten 100.000 Euro. Im Hintergrund hörte die Frau Hilferufe. Sie übergab einem Abholer schließlich 22.000 Euro und Schmuck im Wert von etwa 10.000 Euro. Erst Stunden später erreichte sie ihre Tochter – die war gar nicht erkrankt. So schildert es die Kreispolizeibehörde Soest in ihrer Mitteilung vom 30. September.
In Echtrop brachte ein Anruf beim Neffen die Wende
Auch am Möhnesee versuchten Täter kurz darauf ihr Glück. Am 30. September gab sich in Echtrop ein Mann an der Haustür einer Seniorin als Polizist aus. Ihr Neffe habe einen schweren Unfall verursacht; für eine Kaution brauche es Bargeld und Schmuck. Doch die Frau rief ihren Neffen selbst an. Der erkannte den Betrugsversuch, kam mit seiner Frau zu seiner Tante und verständigte die Polizei. Die Beamten nahmen einen 28-jährigen Tatverdächtigen vorläufig fest. Der möglicherweise schon bereitgelegte Schmuck wurde in der Wohnung gefunden. Das geht aus der Polizeimeldung vom 1. Oktober hervor.
Zwei Fälle aus der unmittelbaren Umgebung, die zeigen, wie nah die Gefahr ist – und wie entscheidend es sein kann, eine erschreckende Behauptung zu überprüfen. Vor diesem Hintergrund gewinnt ein Thema besonderes Gewicht, dem sich nun auch die Senioren-Union Möhnesee gewidmet hat: „Kriminalität zum Nachteil von Senioren“.
48 Gäste beim Polizeivortrag in Körbecke
Auf Einladung der Senioren-Union sprach Michael Remmert vom Team Kriminalprävention der Kreispolizeibehörde Soest am 15. Oktober in der SeeAlm in Körbecke. 48 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zu der Informationsveranstaltung, berichtet Werner Grothof im Anschluss an den Termin.
Nach Grothofs Schilderung ging es sowohl um alltägliche Vorsicht als auch um moderne Täuschungsmethoden. Remmert sprach über den Umgang mit dem Portemonnaie und dessen Aufbewahrung. Er erläuterte außerdem Betrugsmaschen, bei denen Täter Schreckmomente ausnutzen oder künstliche Intelligenz einsetzen. Auch nachgeahmte Stimmen und manipulierte Telefonnummern waren Thema.
Eigene Erlebnisse machten die Diskussion lebendig
Die Gäste hätten eigene Erfahrungen und Einschätzungen zum Thema Sicherheit eingebracht, berichtet Grothof. Remmert habe diese Beiträge aufgegriffen und in seine Ausführungen einbezogen. Dadurch seien praktische Hinweise und neue Erkenntnisse für das eigene Verhalten im Alltag vermittelt worden. Die Senioren-Union bedankte sich bei dem Referenten für seinen engagierten Vortrag und bei den Gästen für die lebhafte Diskussion.
Wie wichtig ein eigenständiger Rückruf sein kann, verdeutlicht der Fall aus Echtrop. In ihren Mitteilungen rät die Polizei, Gespräche mit Geldforderungen zu beenden, Angehörige unter einer bekannten Nummer selbst anzurufen und Unbekannten weder Bargeld noch Schmuck auszuhändigen. Bei verdächtigen Forderungen angeblicher Polizeibeamter sollen Betroffene so schnell wie möglich die Polizei über 110 verständigen und idealerweise möglichst viele Details für eine Beschreibung der jeweiligen Personen und näheren Umstände parat haben. Detektiv spielen soll niemand: Die eigene Sicherheit geht immer vor.
Quellen: Kreispolizeibehörde Soest, Mitteilungen vom 30. September und 1. Oktober 2026; Veranstaltungsbericht von Werner Grothof vom 16. Oktober 2026.
